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Interview mit Isabelle Lesmeister

EIN PAAR FRAGEN AN…ISABELLE LESMEISTER!

Isabelle Lesmeister hat in Regensburg und Florenz Kunstgeschichte, Italianistik & Anglistik studiert und in Kunstgeschichte promoviert. 2010 hat sie ihre schöne Galerie in der Obermünsterstrasse 6 eröffnet und präsentiert Regensburg seither junge und kluge Kunst aus aller Welt.
Am 22. September findet der Regensburger Galerienabend statt – natürlich auch mit der Galerie Isabelle Lesmeister.
Wir haben der sympathischen Galeristin ein paar Fragen gestellt.

RegensburgNow: Liebe Isabelle,

Was waren Deine bisherigen Lebensstationen?
Aufgewachsen bin ich mit zwei Schwestern in Niederbayern, in Mainburg. Nach dem Abitur zog ich sofort nach Regensburg. Nach zwei Semestern Pädagogik und Kunstgeschichte, legte ich das Fach Pädagogik, das mir so gar nicht entsprach ab und wechselte auf Anglistik und Italianistik. Während des Studiums verbrachte ich fünf Semester in Italien und kehrte auch nach meiner Magisterprüfung 2003 nach Florenz zurück um am Deutschen Kunsthistorischen Institut mit der Recherche für meine Dissertation zu beginnen.
In dieser Zeit bereiste ich intensiv die Sehenswürdigkeiten Italiens und hatte in Florenz einen sehr großen italienischen und internationalen Freundeskreis. Einige der Freundschaften bestehen noch heute. Nach zwei Jahren Recherche musste ich eine Pause einlegen, da ich beruflich lieber mit Menschen zu tun haben wollte als immer nur mit Büchern und Abbildungen.

Isabelle Lesmeister
Isabelle Lesmeister

Ich bewarb mich in Frankfurt bei einer Unternehmensberatung für den Bereich Art Consulting und wurde sofort genommen. Es folgte der Umzug nach Frankfurt, ein Project Job in der Kunstsammlung der Dekabank, eine Assistenz im Frankfurter Kunstverein unter der mittlerweile sehr renommierten Kuratorin Chus Martinéz.
Frankfurt ist eine wahnsinnig tolle Stadt, da sie so international und dadurch extrem interessant ist.
Schweren Herzens zog ich 2007 jedoch wieder nach Regensburg, um meine Dissertation endlich zu beenden und um danach weiter nach Barcelona zu ziehen. Dieser Plan wurde jedoch durch eine Beziehung und die Anstellung in einer Galerie durchkreuzt. Eine Festanstellung im Fachgebiet ist für Kunsthistoriker eher eine Seltenheit. Nachdem ich zwei Jahre die Galerie Art Affair geleitet hatte, machte ich mich 2010 mit meiner eigenen Galerie selbständig und beendete meine Dissertation.

Drei Charaktereigenschaften mit denen Du Dich spontan beschreiben würdest:
erfinderisch, (manchmal zu) ehrlich, unkonventionell

Was magst Du besonders gerne an Regensburg?
Ich liebe diese Stadt, da sie nicht zu groß und nicht zu klein ist. Es ist unbezahlbar, nicht mit dem Auto in die Arbeit fahren zu müssen und alles zu Fuß, mit dem Rad oder mit der Vespa machen zu können. Außerdem erinnert mich der Lebensstil in Regensburg an Italien, das ich ja doch mit einem weinenden Auge verlassen habe und vermisse. Gepaart mit der 2000 jährigen Geschichte und bayerischen Brauchtum ist diese Stadt wirklich sehr lebenswert.

Gibt es etwas, was Du weniger an Regensburg magst?
War die Altstadt während meines Studiums doch eher den Studenten vorbehalten, begegnet man heute großen Reisegruppen, die sich durch die engen Gassen quetschen und ratlosen Touristen mit einem Stadtplan in der Hand.
Studenten können sich die Mieten in der Altstadt (bald) nicht mehr leisten und immer mehr kleine Läden verschwinden und machen Platz für große Franchise Unternehmen. Das finde ich sehr schade. Weil gerade dies den Charme unserer Stadt ausmacht. Was ich überhaupt nicht mag sind die inflationären Megaevents, die veranstaltet werden. Gefühlt wird jedes Wochenende ein Marathon gelaufen, hier ein Fest dort die Dult. In dieser Zeit muss man raus aus der Stadt bis der Andrang und die Straßensperren wieder vorbei sind.

Knackersemmel oder Prinzess-Pralinen?  
Eindeutig Knacker. Lieber noch sechs, auf Kraut aus der Wurschtkuchl.

Welche Art von Kunst zeigst Du in Deiner Galerie?
In meiner Galerie zeige ich internationale Künstler, geboren nach 1970. Ein bewusster Bezug zur Kunstgeschichte, ihren verschiedenen Genres und Bildthemen, und der bewusste Einsatz von alten, traditionellen Techniken zur Realisierung der Kunstwerke machen die Einzigartigkeit des Schaffens der Künstler der Galerie aus. Dabei beschränke ich mich nicht auf ein bestimmtes Medium.
Gezeigt wird klassisch Malerei, Skulptur und Zeichnung aber auch Fotographie, Objekt- und Videokunst sowie Installationen.
Mir ist es auch besonders wichtig internationale Künstler nach Regensburg zu bringen.
Vor sechs Wochen zeigten wir eine Soloshow des kubanischen Künstlers Requer im Degginger. Insgesamt haben wir bis dato dieses Jahr Künstler aus Deutschland, Ungarn, Italien, Australien, den USA und Kuba gezeigt. Am Samstag nun wird die erste Einzelausstellung der russischen Künstlerin Maria Agureeva eröffnet, die eigens dafür aus Los Angeles anreist, wo sie gerade eine Residency hat.

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Bild der Künstlerin Maria Agureeva

Am 22. September ist der Regensburger Galerienabend. Was erwartet uns bei Dir?
Unter dem Titel “ IT WILL ALWAYS BE NOT ENOUGH“ zeigt die junge russische Künstlerin Maria Agureeva Objekte aus Latex und Plastik.
Wie zufällig gießt sie halbtransparentes, farbiges Plastik über die eigenartigen Falten der weichen und flexiblen “zweiten Haut”.
Leuchtend schimmernde Lasuren, Farbseen und Tropfen schichten sich übereinander und verfestigen sich auf der knittrigen Latexschicht – wie verführerisches, jedoch synthetisches Karamellbonbon.
Diese gewagten “Reliefs”, die zwischen Naturalismus und Abstraktion balancieren, können eine Vielfalt an Assoziationen, etwa körperliche, kulinarische, geologische oder ikonographische hervorrufen. So erinnern sie den Betrachter hinsichtlich der Faltenwürfe etwa an die Nike von Samothrake, Bernini’s Verzückung der Heiligen Teresa mit ihrem fließenden Gewand oder Lynda Benglis’ abstrakte Skulpturen, die sich in expressiver Manier ausbreiten.

Du warst dieses Jahr bei der Art Wynwood in Miami. Was ist die Art Wynwood und was hast Du dort gemacht?
Die Art Wynwood ist eine Messe für zeitgenössische Kunst in Miami. Die Direktorin der Messe hatte meinen Messestand 2017 auf der Art Toronto gesehen und wollte uns unbedingt als Aussteller mit dabei haben.
Wir haben uns dann dieses Jahr gegen die Art Karlsruhe und für die Art Wynwood entschieden. Es war meine erste Messe in den USA und eine wirklich sehr interessante Erfahrung. Auch wenn eine Teilnahme an einer Übersee Messe wahnsinnig zeit- und kostenintensiv ist.

Wo bist Du sonst noch beruflich unterwegs gewesen?
Beruflich war ich nach Miami in Venedig, zur Preisverleihung des Arte Laguna Prize im Arsenale. Vor vier Jahren wurden wir als Partner des internationalen Kunstpreises in Venedig angefragt und konnten seitdem viermal Künstler in der Kategorie Artist in Gallery auszeichnen.
Dieses Jahr haben wir den Preis an Maria Agureeva übergeben, deren Ausstellung wir ja am Samstag eröffnen. Im April waren wir als Aussteller auf der Paper Positions in Berlin. Weitere Stationen für Studiobesuche u.ä. waren: Köln, Berlin, Zürich, Mailand, Bologna und New York. Soweit für dieses Jahr, das aber noch nicht zu Ende ist.

In den letzten zwei Jahren war ich fünfmal in Kuba, da ich auch intensiv mit kubanischen Künstlern und Kuratoren arbeite. Ich komme schon viel rum, was mir aber auch sehr gefällt, da ich überall neue Leute kennenlerne, alte Freunde treffe, interessante Kunst sehen kann und so meinen Blick und Perspektive weiten kann.
Der Kunstmarkt wird immer globaler und um im Bereich der jungen zeitgenössischen Kunst bestehen zu können ist es zwingend notwendig sich international zu engagieren. Was mir ziemlich leicht fällt, da ich mehrere Sprachen spreche und so fast immer in der Muttersprache der Künstler kommunizieren kann.

Wie wählst Du Deine Künstler aus?
Die Werke der Künstler müssen meinen Blick fesseln, mehrere Bedeutungsebenen, einen Bezug zur Kunstgeschichte und Alleinstellungsmerkmale haben. Da ich bereits seit langem in der zeitgenössischen Kunstszene bin und ein sehr großes internationales Netzwerk aufgebaut habe, lerne ich immer wieder neue und sehr interessante Künstler kennen.
Natürlich muss auch abgesehen vom Künstlerischen die Chemie stimmen. Da sonst eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht möglich ist. Die Auswahl ist natürlich rein subjektiv. Es gibt viele wahnsinnig gute Künstler, deren Arbeiten ich aber nie ausstellen würde. Ich erhalte täglich via Email oder Postsendungen Bewerbungen von Künstlern, die gerne mit uns zusammenarbeiten wollen. Hier ist die Qualität der künstlerischen Arbeit und die Selbsteinschätzung der Künstler sehr unterschiedlich.
Aber wir haben unseren festen Künstlerstamm und nehmen höchstens Gastkünstler für einzelne Ausstellungen oder Projekte auf.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Dir aus?
Den gibt es bei mir nicht. Jeder Tag sieht anders aus und muss neu geplant werden. Da ich selbständig arbeite kann ich mir natürlich alles auch selbst einteilen. Was vielleicht gleich bleibend ist, ist der morgendliche Kaffee und Ratsch in der Cafe Bar in der Gesandtenstrasse und die morgendliche Runde mit meinem Galeriehund Layla.
Ansonsten sind nur meine Galerieöffnungszeiten bindend, in denen ich dann die ganzen bürokratischen Sachen, Transporte, Messeplanung, Ausstellungsplanung, Künstlerkontakte usw. erledige.
Da ich aber mit Künstlern aus Australien und gleichzeitig mit Künstlern aus Süd- und Nordamerika arbeite, kann es sein, dass ich auf Grund der Zeitverschiebung schon mal morgens um drei den Weitertransport einer feststeckenden Kunstsendung organisieren muss. Abends sind oft kulturelle Veranstaltungen, die ich gerne besuche. Vor allem hier vermischt sich Arbeit und Privatleben besonders und kann eigentlich keine exakte Grenze gezogen werden. Das heißt man muss den Beruf der Galeristin wirklich rund um die Uhr leben.

Galerie Isabelle Lesmeister
Galerie Isabelle Lesmeister

Was magst Du an Deiner Arbeit besonders?
Studiobesuche bei Künstlern, neue Werke zu sehen und mit ihnen über ihre Arbeiten zu diskutieren. Ich liebe vor allem auch die Internationalität und das Reisen. Es wird nie langweilig. Besonders interessant sind auch die sozialen Kontakte.
Als Galeristin bin ich Mittlerin zwischen sehr unterschiedlichen Gruppen. Auf der einen Seite die Kunstszene mit ihren ganz eigenen Gesetzen und Abläufen, auf der anderen Seite die Kunstinteressierten, Sammler und Kunden, die aus ihrem Leben heraus auch gern in die Unkonventionalität der Kunstszene eintauchen möchten.
Dies wird ermöglicht durch die Auseinandersetzung mit der Kunst, dem Kennenlernen der Künstler auf den Vernissagen und schließlich auch dem Ankauf von Kunstwerken. So kann ich als Galeristin den gesamten Weg des Kunstwerkes von der Entstehung im Atelier des Künstlers bis zur Installation beim Sammler begleiten. Es immer wieder eine spannende Herausforderung den richtigen Künstler für einen Sammler zu finden und umgekehrt.

Hast Du einen Lieblingskünstler?
Außer den von mir vertreten Galeriekünstlern, begeistern mich besonders die Arbeiten von Alberto Giaccometti, Elizabeth Peyton und Sarah Lucas.

Beschreib Regensburg bitte kurz in Deinen eigenen Worten:  
inspirierend, lebenswert, gschmeidig

Was ist Dein Lieblingsort oder Lieblingsplatz in oder um Regensburg?
Die Winzerer Höhen. Von dort sieht man die ganze Stadt und die hügeligen Ausläufer des bayerischen Waldes, man ist aber gleichzeitig umgeben von einer großen Weite und schöner Natur. Ein Spaziergang dort mit meinem Hund Layla macht den Kopf frei.

Was ist Dein nächstes Projekt?
Eigentlich sind es zwei große Projekte, zwei Kunstmessen, die wir gerade planen. Zum einen unsere dritte Messeteilnahme an der Art Toronto Ende Oktober und knapp einen Monat später unsere Teilnahme an der Context Art Miami, während der berühmten Miami Art Week. Dann im November auch noch die nächste Galerieausstellung.
Es wird also nie langweilig!

Vielen Dank für das tolle Interview, liebe Isabelle! Am Samstag, den 22. September 2018 findet der Regensburger Galerienabend statt. Um 19.00 Uhr könnt Ihr die Vernissage // IT WILL ALWAYS BE NOT ENOUGH //
in der Galerie Isabelle Lesmeister
 besuchen.
Die russische Künstlerin Maria Agureeva wird ebenfalls anwesend sein.

Galerie Isabelle Lesmeister
Dr. Isabelle Lesmeister
Obermünsterstrasse 6
93047 Regensburg
Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 14.00-18.00 Uhr
Samstag 12.00-16.00 Uhr

www.galerie-lesmeister.de

Die Künstlerin Maria Agureeva
Die Künstlerin Maria Agureeva