Sascha Keilholz
Interview,  Kino,  Kultur

Interview mit Sascha Keilholz

EIN PAAR FRAGEN AN…DR. SASCHA KEILHOLZ

Zum zehnten Mal findet vom 14. November bis 21.11.2018 das Heimspiel Filmfest in Regensburg statt. Auf der Homepage vom Filmfest steht: „Die besten Filme. In den besten Kinos. In Regensburg“. Stimmt. Das Heimspiel Filmfest ist ein echtes Herbst-Highlight und eine feste Institution im November. Ein studentisches Team wählt übers ganze Jahr unter der Festivalleitung von Dr. Sascha Keilholz die besten deutschsprachigen und internationalen Produktionen der aktuellen Kinosaison aus. Sascha Keilholz war es, der 2008 das Heimspiel Filmfest (gemeinsam mit Medard Kammermeier) aus der Taufe gehoben hat. Inzwischen ist das kleine, feine Regensburger Filmfest so bekannt, dass dieses Jahr Größen wie Iris Berben und Matthias Brandt zum Heimspiel Filmfest kommen. Sascha wird sie live im Ostentor Kino interviewen. Wir haben ihm vorab ein paar Fragen gestellt:

RegensburgNow: Lieber Sascha,

Wie lange lebst Du schon in Regensburg und was waren Deine bisherigen Lebensstationen?
Seit elfeinhalb Jahren lebe ich bereits in Regensburg, seit neun Jahren in unserer jetzigen Wohnung. Beides sind persönliche Rekorde für mich. Bisherige Stationen waren Hamburg, Hannover, die südliche Weinstraße an der französischen Grenze, das rheinische Wegberg an der holländischen Grenze, die Granitstadt Aberdeen sowie Nord- und Ostberlin vor der Hipsterwelle.

Vom 14.11. bis 21.1.2018 findet zum zehnten Mal das Heimspiel Filmfest statt. Ein Jubiläum. Du hast dieses Festival 2008 ins Leben gerufen. Was ist das „Heimspiel Filmfest“ und was erwartet uns dieses Jahr?
HEIMSPIEL ist ein kulturelles und cinephiles Gemeinschaftserlebnis. Außergewöhnliche Filme im Kino sehen, mit dessen Macher*innen ins Gespräch kommen, das erwartet uns. Und als Gäste konkret unter anderen Iris Berben, Lilith Stangenberg, Fatma Mohamed, Matthias Brandt und Peter Strickland.

Über welchen Ehrengast hast Du Dich in den vergangenen 10 Jahren besonders gefreut?
Die erste Ausgabe mit einer kompletten Werkschau von Christian Petzold starten zu können, war ein Geschenk. Ulrich Matthes war ein sehr charmanter, geistreicher und inspirierender Gast; Jan Bijvoet hat vor menschlicher Wärme gestrahlt. Dominik Graf ist, wenn ich das so sagen darf, ein väterlich-freundlicher Bekannter aus der Ferne, der uns immer wieder auf unterschiedlichen Wegen unterstützt.

Wie bist Du eigentlich zum ‚Film‘ gekommen?
In erster Instanz durch den Videorekorder meines Großvaters. Mit europäischen Genreproduktion von Bud Spencer und Terrence Hill bis zu Jean-Paul Belmondo. Erst viel später dann über Kinobesuche, erst in Hannover, dann in Aberdeen und schließlich in Berlin. Dort wurde der Studiengang Theater- Film- und Fernsehwissenschaft geteilt und zu diesem Zeitpunkt habe ich mich für den Film entschieden.

Beschreibe Regensburg bitte kurz in Deinen eigenen Worten:
Regensburg ist die Stadt, in der ich meine Frau kennengelernt und geheiratet habe. Überschaubar, ein guter Ort für Jungfamilien und Leute mit schlechter Orientierung wie mich.

Was magst Du an Regensburg?
Die Altstadt, Stadtamhof. Zum Glück wird Regensburg, auch durch Zureisende und Flüchtlinge, immer bunter.

Und was nicht so?
Regensburg ist eine sehr reiche Stadt, leider sehr gentrifiziert. Was es hier an Reichtum gibt, ist sehr unverhältnismäßig verteilt. Kultur, dazu zähle ich auch Sport und Gastronomie, sollte allen zugänglich sein. Lebensraum sowieso. Das wird zunehmend ein Problem. Für Familien, insbesondere aber für Studierende. Die können sich häufig keine Zimmer in Heimen oder Wohngemeinschaften mehr leisten. Und in Wohngegenden mit niedrigen Einkünften entstehen Frustrationen, die sich auch, etwas plakativ verkürzt, an der Wahlurne äußern. Ein – ebenso plakatives – Zeichen des Wohlstands sind die unzähligen Big Size SUVs, in denen sich einzelne Personen durch die engen Altstadtstraßen zwängen. Das ist wohl eher ein Statussymbol als ein sinnvolles städtisches Fortbewegungsmodell. Da freue ich mich auf die Stadtbahn.

Heimspiel Filmfest
Heimspiel Filmfest

Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei Dir aus, falls es das überhaupt gibt?
Die Regelmäßigkeit liegt im Unregelmäßigen. Typischer Weise stehe ich als letztes Familienmitglied auf und gehe dafür auch als letztes Familienmitglied ins Bett – manchmal geben wir uns die Klinke in die Hand. Im Normalfall schaue ich mindestens einen Film pro Tag, davon zu wenige im Kino; lese und schreibe zu viele mails, recherchiere viel am Computer, lese unzählige Texte, aber weniger Bücher als ich möchte. An den Unitagen freue ich mich, die Kolleg*innen zu sehen. An den idealen Tagen esse ich mittags mit meiner Frau und hole später die Kinder ab.

Was ist das Spannende an Deiner Arbeit?
Ich bin ja Patchwork-Arbeiter. Das Spannende an HEIMSPIEL ist sicherlich, jedes Jahr ein erfolgreiches Team zu formen, in das sich alle individuell bestmöglich einbringen. Wenn dann ein Programm entsteht, das andere beglückt und wenn dann noch die Verheißung spannender Gäste besteht, ist das toll. Die Herausforderung – wie vermutlich überall – ist der Faktor Mensch. Bei HEIMSPIEL, in der politischen Arbeit und an der Uni komme ich mit so vielen so unterschiedlichen Leuten zusammen, die häufig völlig unterschiedliche Strategien der Kommunikation fahren. Und im Endeffekt ist die Kommunikation doch meistens hierarchisch. Das strengt mich an. Aber gerade an den Stellen, wo man diese Strukturen inhaltlich durchbrechen kann, wird es wieder spannend.

Hast Du einen Lieblingsfilm?
Viele. Müsste ich einen nennen, wäre es Kubricks 2001 – A SPACE ODYSSEY. Und dann müsste ich gleich BARRY LYNDON nachschieben und ganz vieles aus dem New Hollywood wie THE CONVERSATION, FRENCH CONNECTION, RAGING BULL, dazu Peckinpahs Western. Geprägt haben mich L`HOMME DE RIO und LE PROFESSIONNEL mit Belmondo. Gerade beschäftigen mich LES CONFINS DU MONDE und SLEEP HAS HER HOUSE, die beide bei HEIMSPIEL 10 laufen werden, sehr.

Gibt es jemanden, der Dich inspiriert?
Klingt pathetisch, aber die ehrliche Antwort lautet: meine Frau und meine Kinder.

Hast Du einen Lieblingsort oder Lieblingsplatz in oder um Regensburg?
Der Villapark, das Wöhrd- und Hallenbad außerhalb der Stoßzeiten, die RT-Halle; alles Orte, an denen ich viel Zeit mit meinen Kindern verbringe. Und das Ostentorkino, da bin ich viel alleine oder mit meiner Frau.

Woran arbeitest Du gerade oder was ist Dein nächstes Projekt?
Ein Buch über das deutsche Gegenwartskino und ein Drehbuch.

Und jetzt die Regensburg-Frage: Knackersemmel oder Prinzess-Pralinen?
Pralinen. Von Prinzess, aber gerne auch von Pernsteiner oder aus Laaber.

Zurück zum Heimspiel Filmfest. Welchen Film dürfen wir auf gar keinen Fall verpassen?
WINTERMÄRCHEN – eine alptraumhafte NSU-Phantasie und BEAST – einen Serial-Killer-Liebesfilm.

Lieber Sascha, herzlichen Dank für das Interview! Wir freuen uns sehr auf das Heimspiel Filmfest!
Hier das Programm → www.heimspiel-filmfest.de
14. November bis 21.11.2018

Iris Berben am 17.11.2018 und Matthias Brandt am 18.11.2018 in der Kinolounge im Ostentor Kino um 14:30 Uhr (Eintritt frei)