Wolfgang Maas
Interview,  Kultur

Interview mit Wolfgang Maas

EIN PAAR FRAGEN AN…WOLFGANG MAAS!

Wolfgang Maas arbeitet mit vollem Körpereinsatz:  als Tänzer, Choreograph und als Tanzpädagoge. Er  versteht es jung und alt zu begeistern – und zwar für den Zeitgenössischen Tanz.  Selbst anfänglich skeptische  Jungs machen schnell motiviert mit, wenn Wolfgang Maas an einer der zahlreichen Schulen unterrichtet. Seine Begeisterung für den Tanz und die Freude an Bewegung steckt an – sowohl Kinder als auch Erwachsene im Tanzstudio. Er hat viele Projekte. Vor ein paar Jahren entwickelte er zum Beispiel das Mehrgenerationenprojekt „Eine Stadt tanzt“ mit hundert Laienperformern.

Im Rahmen des kleinen Festivals „Unpassend Passt!“ für inklusiven Tanz, zeigen nun drei unterschiedlichen Gruppen Arbeiten von ihm am
13. und 14. Oktober 2018  am Theater an der Universität Regensburg.

RegensburgNow: Lieber Wolfgang,

Wie lange lebst Du schon in Regensburg und was waren Deine bisherigen Lebensstationen?
Mich hat es 2006 von Berlin hierher getragen und ich bin nach meiner Heimatstadt Leipzig inzwischen die längste Zeit an einem Ort, nun schon 12 Jahre, geblieben. Davor war ich in Köln, Viseu und Lissabon (beides in Portugal) und zuletzt eben in Berlin. In dieser Zeit war ich auch des Öfteren in Luxemburg.

Wie bist Du zum Tanz gekommen?
Heute würde man sagen, ich hätte ADHS gehabt (Wer weiß, habe ich vielleicht immer noch?). Das heißt seit ich denken kann bin ich singend, tanzend und sonst wie mich bewegend durch die Welt gegangen. Mit 9 Jahren kam ich zusammen mit meiner Schwester zum Paartanz und als es zur Leistungssportstufe ging, haben wir aufgehört. Nach einer Pause von 4 Jahren ging es dann weiter. Ich fand das Tanzensemble der Universität Leipzig, welches ich später für 4 Jahre leiten sollte.

Beschreibe Regensburg bitte kurz in Deinen eigenen Worten:
Regensburg ist schön! Leider nur die Altstadt, schade! Ich fühle mich hier sauwohl und komme mit der Größe gut zurecht. Ich liebe es, durch die Stadt zu gehen und laufend jemanden zu treffen. Unsere Freunde aus Berlin waren letztens ganz neidisch, dass es hier so sauber ist und alles funktioniert. Eine intakte Stadt.

Was magst Du an Regensburg?
Ich bin froh, dass die Stadt offen ist. Die vielen Studierenden prägen dies. Vielleicht auch bezeichnend und mir sympathisch, dass auf dem größten Platz eine evangelische Kirche steht. Ganz besonders mag ich die kleinen Läden und den Markt am Samstag. Außerdem finde ich toll in Nullkommanix im „Urlaubsgebiet“ zu sein. Hier gibt es echte Lebensqualität!

Und was nicht so?
Manchmal ist Regensburg zu klein und zu eng, nicht nur räumlich!

Am 13. und 14. Oktober 2018 findet zum dritten Mal das Festival  für inklusiven Tanz statt. Was ist das und was erwartet uns dort?
3 Gruppen, mit denen ich gearbeitet haben werden auftreten. Den Anfang machen die Kinder und Jugendlichen der Bischof-Wittmann-Schule zusammen mit Studierenden der OTH, eine Zusammenarbeit die Tradition hat und unglaublich berührende und spaßige Momente bringt. Danach bringen die Tänzerinnen und unser Tänzer Max von den „Herbstzeitlosen“, sie sind also etwas älter, ihre Version von wer oder was passt zum Ausdruck. Die 3. Gruppe von mir ist die 2014 gegründete inklusive Company „Upside Down“ bestehend aus Tänzern und Tänzerinnen der Stadt Regensburg mit und ohne Behinderung. Mit ihnen gibt es eine ganz intensive Zusammenarbeit bereits auf semiprofessionellen Niveau. Sie werden sich sicher nicht verstecken müssen vor unserem Gastspiel aus Bremen. Tanz_bar Bremen tritt international auf Festivals auf und hat bereits 2016 begeistert.

Wie sieht eine typische Arbeitswoche bei Dir aus, falls es das überhaupt gibt?
Anders als gerade besteht meine Woche meistens auch nur aus 5 Arbeitstagen. Meistens beginne ich zwischen 9.00 und 10.00 Uhr am Schreibtisch oder bereits im Saal, an der Schauspielschule oder der OTH oder mit den Senioren. Manchmal geht es danach durch bis zum Abend mit Unterrichten an den verschiedensten Einrichtungen und in den Tanzstudios. Manchmal bleibt zwischendurch Zeit für etwas anderes, wie z.B. Fitnessstudio. Verrückt, ich weiß. Die meisten Tage enden gegen 21.30 Uhr.

Was ist das Spannende an Deiner Arbeit?
Ich arbeite nie die ganze Zeit an einem Ort und habe ganz unterschiedliche Unterricht und unterschiedliche Schüler. Dazu kommen immer wieder außergewöhnlich Projekte, wie jetzt gerade.

Wie alt sind Deine jüngsten und Deine  ältesten Schüler(innen)  gerade?
Vor allem im letzten Drittel des Schuljahres führe ich Schultanzprojekte durch. Die jüngsten gehen sind dann ca. 9 und die ältesten ca 70? Das genaue Alter verraten sie nicht!

Was inspiriert Dich? Hast Du  ein Vorbild?
Auf künstlerischer Ebene ist nach wie vor Pina Bausch mein Idol, natürlich gepaart mit aktuellen großartigen Künstlern wie Sid Larbi Cherkaoui, Akram Khan oder auch Richard Siegal.

Pädagogische Vorbilder gab und gibt es sehr sehr viele, die ich auf meinem Weg getroffen habe, ob Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen, Therapeutinnen oder auch Kolleginnen. Ich selbst hinterfrage mich permanent! Ein ständiger Selbstzweifel begleitet mich.

Hast Du einen Lieblingsort oder Lieblingsplatz in oder um Regensburg?
Nicht wirklich. Hätte ich das Geld, würde ich aber sicherlich sehr oft im Storstad sitzen. Ich liebe Essen und vor allem gute Küche bzw. Kochkunst. Ansonsten bin ich sehr gerne in der Natur um Regensburg herum.

Woran arbeitest Du gerade oder was ist Dein nächstes Projekt?
Gerade bestimmt das inklusive Festival am 13./14. Oktober ziemlich meinen Alltag. Ansonsten sind es neue Unterrichte, die vorbereitet werden müssen. Zum Beispiel eröffnet Heidi Huber im Oktober ihr neues Tanzstudio in Stadtamhof (ehemalige Sparkasse),  wo man dann auch bei mir tanzen kann!

Die Regensburg-Frage: Knackersemmel oder Prinzess-Pralinen?
Zuerst die Knackersemmel und dann die Pralinen. Ich brauche immer was Süßes hinterher!

Ich durfte selbst schon Deine Begeisterung für den Tanz erleben. Was begeistert Dich so am Tanzen?
Ich liebe das Gefühl, es muss raus. Tanz, Bewegung steckt in mir drin, ich kann nicht anders. Andere mitzureißen und ihre Freude mitzuerleben beflügelt mich und macht mich glücklich. Wären nicht die Schmerzen und die Aussicht auf das Alter, ich würde sagen, ich habe den schönsten Job der Welt!

Lieber Wolfgang, ganz herzlichen Dank für Deine Antworten!
Wir freuen uns sehr auf das Festival für inklusiven Tanz „Unpassend Passt!“

Samstag, 13. Oktober 2018, 19.30 Uhr und
Sonntag, 14. Oktober 2018, 16.00 Uhr
im Theater der Universität Regensburg
Leitung und Choreografie: Wolfgang Maas

Wolfgang Maas
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Kartenvorverkauf:
Bei der TOURIST INFORMATION im Alten Rathaus 12,00 € / 10,00 € ermäßigt, an der Abendkasse 12,00 € und 14,00 €

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