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Endlich wieder

ENDLICH WIEDER DÜRFEN…

Der Lockdown wurde gerade erst wieder bis zum 14. Februar verlängert. Grund genug für meinen guten Freund Christoph, der übrigens Koch (und Coach) ist und zudem mit der wunderbaren Sängerin Steffi Denk zusammen ist, einen Blick in die Zukunft zu werfen.

Ein Gastbeitrag von Christoph Hauser.

Es wird passieren, irgendwann nach Ostern werden wir Gastronomen und Künstler wieder langsam unserer Berufung nachgehen dürfen und damit unseren Lebensunterhalt verdienen können.

Darauf freuen wir uns. Auch wenn mancher vielleicht die Sorge hat, ein wenig eingerostet zu sein. Auch wenn das Hochfahren des Systems Kraft kosten wird. Auch wenn wir uns gerade noch gar nicht vorstellen können, wie wir mit der gleichen Power, dem langen Ausgang ohne Beschränkung nach einer Hochzeit oder einem Gig zurechtkommen. Sind wir dann schon zu alt, uns danach noch in einer Bar zu treffen?

Egal wie es kommt, wir freuen uns darauf. Aber ein wenig Sorge schwingt mit. Bekommen wir doch aktuell schon mehr oder weniger skurrile Anfragen zu Caterings Ende Januar in Hotspots. Fragen doch jetzt schon wieder Veranstalter um Terminverlegungen im Dezember. So langsam kommt das Gefühl auf, dass nicht nur die schönen Momente, der Applaus des Publikums, die lächelnden Gesichter satter Gäste, sondern auch die anstrengenden Sonderwünsche, die wenig achtsamen Erwartungshaltungen und die ermüdenden Preisverhandlungen auch wieder Bestandteil unserer Tätigkeit sein müssen.

Aber halt – die Bedingungen haben sich jetzt schon geändert. Manche unserer Kollegen sind insolvent oder vorzeitig in den Ruhestand gegangen. Viele mussten sich umorientieren und haben nun vielleicht irgendwo eine Anstellung, so dass Sie weniger flexibel oder gar nicht mehr verfügbar sind. Das Angebot an Kulinarik und freier Kultur wird dann, wenn es wieder möglich ist, eingeschränkt sein. Außerdem sind manche Konzerte und Veranstaltungen verschoben worden, so dass die Terminkalender für die Jahre 2021 und folgende schon gut gefüllt sind.

Was bedeutet das nun für unsere Gäste? Ganz viele sind überaus verständnisvoll, haben uns im vergangenen Jahr unterstützt, freuen sich auf das, was dann wieder angeboten und zwar so, wie es angeboten werden wird. Schon früher war unser Tun nicht nur ein Geldverdienen, sondern Leidenschaft und das Feedback, der Applaus fundamentale Grundlage für unseren Selbstwert. Sich zu öffnen, etwas von sich Preis zu geben, die Hosen runter zu lassen ist mit der Hoffnung verbunden, dass das Gegenüber, das was man tut, gut findet. Oder wenigstens respektiert. Auch deshalb ist es gar nicht so einfach, mit selbsternannten Kritikern umzugehen.

Und nein – das muss nicht Bestandteil des Deals sein. Wir müssen – gerade im kommenden Jahr nicht jeden Wunsch erfüllen. Wir werden es auch gar nicht können. Ich hoffe, es gelingt, den Gästen und dem Publikum freundlich und bestimmt zu erklären, was Sie erwarten dürfen und was die dargebotene Leistung wert ist. Ich hoffe, wir sind in den kommenden Jahren mutig genug, klar zu formulieren, freundlich und bestimmt unsere Leistung anzubieten und Geschäftspartner zu haben, die selbst entscheiden, ob sie dieses Angebot zu diesem Preis annehmen möchten.

Vielleicht ist es ja sogar möglich, dass Kunden sich vorab überlegen, ob sie die Ressourcen für ein individuelles Catering haben und bereit sind, in dieses zu investieren. Vielleicht wird die Erstellung von Angeboten, das Beraten und Betreuen, das Schleppen von Ausstattung und Anlagen ja auch als zu bezahlende Leistung selbstverständlich anerkannt. Vielleicht überlegt man sich ja vorab, ob bayerische Wirtshausküche das richtige ist und versucht nicht, vegane Semmelknödel zu bestellen? Vielleicht beansprucht man ja in Zukunft nicht die Zeit der Künstler nach dem Auftritt, nur um von eigenen Bandauftritten in den 80ern zu erzählen?

Vielleicht können wir Anbieter aber auch unseren Beitrag zu einem besseren Miteinander bieten, indem wir nicht mehr alle Kunden, sondern nur die Richtigen bedienen. Vielleicht müssen wir die nächsten Wochen und Monaten noch mal selbst in aller Ruhe unser Angebot, unsere Komfortzone, unsere Preisstruktur und das, auf was wir in Zukunft verzichten können, überdenken. Wir haben im letzten Jahr auf Vieles verzichtet, wir alle.

Und auf manches werden wir zukünftig weiter verzichten müssen. Und das ist gut so. Wir können es uns sparen, Dienstleister als Handlanger zu behandeln. Wir können es uns sparen, Kunden als reine Geldgeber zu betrachten. Wir sollten Geschäftspartner auch als solche sehen. Wer am Sonntag früh für Dich erreichbar ist, der darf auch einen höheren Preis verlangen, als die Firma mit Anrufbeantworter.

Die Vielfalt wird hoffentlich nicht mehr in der dauernden Verfügbarkeit von Allem zu allen Jahreszeiten bestehen, sondern in besonderer Expertise und Qualität. Bevor wir Wünsche formulieren und dafür einen Preis erfragen, sollten wir erstmal diejenigen fragen, die sich damit auskennen. Das Bauen von Luftschlössern zu Discountpreisen muss ein Ende haben. Die Kollegen unterbieten sich in meiner Utopie nicht länger, sondern jeder macht das richtig und gut, was er gut kann. Die Kunden picken sich nicht mehr aus Vergleichsangeboten ihre Lieblingsgerichte, denn schon die Erstellung von Angeboten, das Suchen von Konzertorten, die Terminkoordination und vieles mehr ist eine zu bezahlende Leistung.

Wir werden ein besseres Matching von Angebot und Erwartung haben, weil wir uns rechtzeitig besser zuhören. Lieber weniger und dafür besser. Wir haben auf so vieles verzichtet, wir sollten nicht den Fehler machen, in alte Muster zu verfallen.

Wir sparen uns einfach das übereinander reden und reden mehr miteinander. Wir formulieren unsere Wünsche und Bedingungen klar und sparen uns den Ärger, zugunsten der Freude an dem was wir so gerne wieder tun würden. In Eurem Dienste Leistung abliefern.

Vielen Dank für den Gastbeitrag lieber Christoph!
Portrait Christoph Hauser Koch Hausers Kochlust Foto: www.florianhammerich.com

Christoph Hauser ist Koch aus Leidenschaft, Caterer und systemischer Coach (SG).
Auf seinem Blog Geniesserstammtisch.de geht es um das Gastgeben und das Leben in seiner ganzen Fülle.

 

Regensburg
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